AES-Impressionen
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Zwischen Hannover und Berlin, Sonntag, 23. Oktober 2011.


Liebe Eva,


ich schreibe dir aus dem Zug zurück nach Berlin und möchte dir meine Eindrücke von der BK-AES-Jahrestagung in Loccum bei Hannover erzählen. Schade, dass du nicht mitkommen konntest! Es war wunderschön: bewegend, entspannt, rund. Das Thema hieß "Unseren Glauben authentisch leben". Am Donnerstagabend haben dazu vier Menschen aus unserer Gruppe ein kleines "Statement" abgegeben. Sie haben, so habe ich mir sagen lassen, sehr offen erzählt, was es für sie in ihrer Lebensgeschichte und im Alltag bedeutet, ihren Glauben authentisch zu leben. Leider habe ich diesen Teil knapp verpasst, weil ich tagsüber noch einige Statistiken für meine Professorin in Potsdam rechnen musste – aber der Empfang am späten Abend in Loccum war umso herzlicher! Noch immer bin ich erfüllt von der herzenswarmen und freundschaftlichen Atmosphäre dieser vier Tage. Eine ehrwürdige und kraftvolle Atmosphäre strahlten am folgenden Morgen auch die alten Klostermauern aus. Magst du Klöster auch so gern? – Während wir durch den Kreuzgang des Klosters Loccum wandelten und die jahrhundertealte Geschichte einatmeten, hörten wir von Lieselotte Kahle, wie die Zisterzienser-Mönche im Mittelalter hier gelebt, gearbeitet und gebetet hatten, ora et labora. Frau Kahle war die erste Küsterin in Loccum, "nach 800 Jahren wurde es ja auch mal Zeit", wie sie treffend formulierte.


Familie Pape"Die Freiheit von der Sünde, nur immer um sich selbst kreisen zu müssen." Diese Worte von Ludolf Ulrich, der das Nachmittagsreferat hielt, wie wirken sie auf dich? Ja, sie sind aus dem Zusammenhang gerissen und klingen vielleicht moralisierend, aber sie können tatsächlich befreiend sein. Auch Frau Kahle hatte am Morgen gesagt: "glauben heißt fliegen lernen". Diese Worte hallen in mir nach. So wie auch die Bibelarbeit von Christin Schreiber am Abend. Christin studiert Soziale Arbeit und Religiongspädagogik in Kasssel und macht gerade ein Praktikum bei der AES. Sie hatte uns die Seligpreisungen und einige theologische Denkanstöße dazu mitgebracht. In den generationsübergreifenden Kleingruppen überlegten wir dann erst einmal, ob selig das Gleiche wie Glücklich ist und was das Gegenteil von selig ist. Zerrissen? Verloren? Christin jedenfalls las uns zum Abschluss der Bibelarbeit noch eine moderne Variante der Seligpreisungen vor, aus der Fraternität der Kleinen Schwestern von Jesus des Charles de Foucauld. "Selig die, die einen Berg von einem Maulwurfshügel unterscheiden können, denn es wird ihnen eine Menge Ärger erspart bleiben" und "Selig die, die fähig sind, sich auszuruhen und zu schlafen, ohne dafür Entschuldigungen zu suchen, denn sie werden weise werden". In diesem Sinne gingen einige von uns dann ungewöhnlich früh schlafen und am nächsten Morgen starteten wir in alter Frische zur Exkursion nach Hannover. Hier führte uns Wolfgang Wild durch das Kirchenamt der EKD, wo wir u.a. sehr neugierig das Büro unseres Präses Nikolaus Schneider in Augenschein nahmen und die Alt-BK'ler in seiner Abwesenheit seine Schokobonbons aufaßen (pecca fortiter!). Dort hing an der Nebentür ein Foto von Schneider und der Bundeskanzlerin, gleich daneben eines mit dem Papst. Im EKD-Kirchenamt sind alle Bürotüren ebenso offen, wie die Marktkirche in der Hannoveraner Innenstadt. Durch diese, nach dem zweiten Weltkrieg wieder errichtete Kirche, führte uns Wolfgang Puschmann. Mit ihm diskutierten wir auch das Konzept der City-Kirche und mir gefielen besonders seine Worte "Nur was von Herzen kommt, kann zu Herzen gehen."

Peter TidowAuch der goldene Herbst hat sich in Loccum von seiner sonnigsten Seite gezeigt und so sind wir am Sonntag nach dem Gottesdienst mit frohem Herzen auseinander gegangen – in Vorfreude auf ein Wiedersehen im Augustinerkloster in Erfurt und auf neue Gesichter und Begegnungen dort vom 20.-23. September 2012. Es war also für mich eine sehr harmonische Tagung in Loccum. Für die kommende Woche werde ich mich aber an den Rat halten, der am letzten Abend in lutherscher Manier bei Bier und Wein erteilt wurde: "Pecca fortiter – Sündige tapfer!".

In diesem Sinne wünsche ich dir einen guten Start in die neue Woche und freue mich, dich bald wieder in Berlin zu sehen.

Bis bald
Sophia